Stress beim Pferd: Anzeichen verstehen und das Wohlbefinden nachhaltig fördern - Ratgeber - ET Hoofcare
Stress beim Pferd main image


Stress beim Pferd – Anzeichen erkennen, vorbeugen und mit geeigneten Ergänzungsfuttermitteln unterstützen

Stress beim Pferd: Anzeichen verstehen und das Wohlbefinden nachhaltig fördern

Pferde kommunizieren ständig über feine körperliche und verhaltensbezogene Signale. Für Reiter und Besitzer ist es wichtig, diese richtig zu deuten, denn anhaltender Stress kann sich sowohl auf die Gesundheit als auch auf das Verhalten auswirken. Eine frühzeitige Erkennung und ein angepasstes Management tragen wesentlich dazu bei, das körperliche und seelische Gleichgewicht des Pferdes zu erhalten.

Was ist Stress beim Pferd?

Stress ist eine natürliche Reaktion des Organismus auf eine tatsächliche oder vermeintliche Bedrohung beziehungsweise Überforderung. Diese sogenannte „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion bereitet den Körper darauf vor, schnell auf eine Herausforderung zu reagieren.

Kurzfristiger Stress gehört zum normalen Anpassungsmechanismus des Körpers. Hält der Stress jedoch über einen längeren Zeitraum an, kann dies das Immunsystem belasten, das Verhalten verändern und das Risiko für Erkrankungen wie Magengeschwüre oder Stalluntugenden erhöhen.


Symptome von Stress erkennen

Stress kann sich sowohl körperlich als auch im Verhalten bemerkbar machen. Das frühzeitige Erkennen dieser Anzeichen ermöglicht es, Probleme rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.


Körperliche Anzeichen

Zu den häufigsten körperlichen Symptomen gehören:

  • Erhöhte Herzfrequenz und flache Atmung.
  • Muskelverspannungen, eine steife Haltung oder ein ungleichmässiger Gang. 
  • Verminderter Appetit sowie Gewichtsverlust oder Gewichtsschwankungen.
  • Ein schlechter Fellzustand sowie Veränderungen der Verdauung oder Schlafprobleme.


Veränderungen im Verhalten

Auch das Verhalten des Pferdes kann deutliche Hinweise auf Stress liefern. Typische Anzeichen sind:

  • Unruhe, Schreckhaftigkeit und übermässiges Umsehen.
  • Aggressives Verhalten oder sozialer Rückzug.
  • Stalluntugenden wie Koppen, Weben oder Luftsaugen.
  • Arbeitsverweigerung oder eine übermässige Wachsamkeit. 


Häufige Ursachen für Stress beim Pferd

Stress kann durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden. Veränderungen in der Umgebung oder innerhalb der Herde gehören zu den häufigsten Ursachen. Ebenso können mangelnde Bewegung, fehlende Sozialkontakte oder ein unregelmässiger Tagesablauf das Wohlbefinden des Pferdes beeinträchtigen. 

Auch Schmerzen, beispielsweise durch ein schlecht sitzendes Sattelzeug oder Zahnprobleme, stellen eine bedeutende Stressquelle dar. Zusätzlich können Lärm, ein unruhiges Handling oder eine Überlastung im Training zu anhaltendem Stress führen.

Transportstress bei Pferden

Der Transport gehört zu den häufigsten kurzfristigen Stressfaktoren für Pferde. Bereits kurze Fahrten können sowohl das Verhalten als auch die Gesundheit eines Pferdes beeinflussen.

Eine aktuelle deutsche Studie zeigte, dass rund 42 % der Pferde während Transporten von weniger als zwei Stunden Verhaltens- oder Gesundheitsprobleme aufwiesen. Zu den häufigsten Verhaltensauffälligkeiten gehörten Verladeunwilligkeit, Nervosität, Angst, Aggressivität und Steigen. Die meisten Probleme traten beim Verladen sowie während der Fahrt auf. Pferde, die allein transportiert wurden, zeigten häufiger stressbedingte Verhaltensweisen als Pferde, die zusammen mit einem Artgenossen reisten.

Zu den körperlichen Auswirkungen gehörten weicher Kot beziehungsweise Verdauungsstörungen, kleinere Verletzungen und – deutlich seltener – Atemwegsprobleme. Die Forschenden gehen davon aus, dass Transportstress das empfindliche Gleichgewicht der Darmflora stören und dadurch Verdauungsprobleme begünstigen kann.

Mit einigen einfachen Massnahmen lässt sich Transportstress häufig reduzieren. Wenn möglich, sollten gut miteinander verträgliche Pferde gemeinsam transportiert werden. Zudem ist es sinnvoll, den Pferden während der Fahrt die Möglichkeit zu geben, den Kopf natürlich abzusenken. Ausreichend Wasser, vertrautes Raufutter sowie genügend Erholungszeit nach dem Transport tragen ebenfalls zum Wohlbefinden bei.

Für Pferde, die regelmässig zu Turnieren, Zuchtveranstaltungen oder Verkaufsveranstaltungen reisen, kann eine gezielte ernährungsphysiologische Unterstützung sinnvoll sein. Ergänzungsfuttermittel mit Probiotika, Präbiotika oder anderen Inhaltsstoffen zur Unterstützung der Darmgesundheit können helfen, die Darmflora während belastender Situationen zu stabilisieren. Solche Produkte sollten jedoch immer als Ergänzung zu einer guten Haltung und einem sorgfältigen Management verstanden werden – nicht als deren Ersatz.

Quelle: May A., Riley C.B., Scharre A., Zablotski Y., Padalino B. (2025). A survey of welfare problems associated with transporting horses by road in Germany (2022–2024). The Veterinary Journal, 311:106322.

Ergänzungsfutter Birk


Stress vorbeugen – darauf kommt es an

Eine konstante Routine schaffen

Pferde sind Gewohnheitstiere und profitieren von einem ruhigen, vorhersehbaren Tagesablauf. Ausreichende Bewegung und regelmässiger Weidegang tragen dazu bei, Stress zu reduzieren und das Sicherheitsgefühl zu stärken. 

Sozialkontakte ermöglichen

Als Herdentiere benötigen Pferde den Kontakt zu Artgenossen. Ausreichende soziale Interaktionen fördern das emotionale Gleichgewicht und wirken sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus.

Gesundheit und Ausrüstung regelmässig kontrollieren

Regelmässige Zahnkontrollen sowie die Überprüfung des Sattelzeugs helfen dabei, mögliche Schmerzquellen frühzeitig zu erkennen. Auch das Training sollte an die individuellen Voraussetzungen des Pferdes angepasst und durch ausreichende Erholungsphasen ergänzt werden. 

Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Raufutter sowie konstante Fütterungszeiten unterstützen zusätzlich die Verdauung und tragen zur Stabilität des Organismus bei.

Bleiben Stresssymptome über einen längeren Zeitraum bestehen, sollte ein Tierarzt oder Verhaltensexperte hinzugezogen werden, um mögliche Ursachen abzuklären.


Ergänzungsfuttermittel mit positiver Wirkung

Ergänzungsfuttermittel können das Stressmanagement unterstützen, ersetzen jedoch weder ein gutes Haltungsmanagement noch eine tierärztliche Behandlung. Vor der Anwendung sollte stets Rücksprache mit dem Tierarzt oder einem Fütterungsspezialisten gehalten werden.


Magnesium

Magnesium (Mg) unterstützt die Nerven- und Muskelfunktion und kann dazu beitragen, Anspannung und Reizbarkeit zu reduzieren. Es wird häufig bei nervösen oder gestressten Pferden eingesetzt.

Tryptophan

Tryptophan ist eine Vorstufe von Serotonin und fördert Ruhe sowie Ausgeglichenheit. In vielen Ergänzungsfuttermitteln wird es mit Magnesium und B-Vitaminen kombiniert.

B-Vitamine

Die Vitamine B1, B6 und B12 spielen eine wichtige Rolle für das Nervensystem und den Energiestoffwechsel. Sie unterstützen die Fähigkeit des Organismus, mit Belastungen umzugehen.

L-Theanin und Aminosäuren

L-Theanin und verschiedene Aminosäuren können beruhigend wirken, ohne eine Sedierung hervorzurufen. Die Wirkung kann jedoch individuell unterschiedlich ausfallen.


Kräuterextrakte

Pflanzliche Inhaltsstoffe wie Baldrian, Kamille oder Passionsblume werden traditionell zur Unterstützung eines ausgeglichenen Verhaltens eingesetzt. Aufgrund der unterschiedlichen Wirkungen und Verträglichkeiten sollten ausschließlich geprüfte Präparate verwendet werden.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA, unterstützen die Gehirnfunktion und tragen zur Aufrechterhaltung einer ausgeglichenen Entzündungsreaktion bei. Sie können zudem bei der langfristigen Regulation von Stressprozessen hilfreich sein.

Pro- und Präbiotika

Zwischen Darmgesundheit und Stressreaktion besteht ein enger Zusammenhang. Pro- und Präbiotika fördern ein ausgewogenes Darmmikrobiom und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden des Pferdes.


Fazit

Stress beim Pferd sollte nicht unterschätzt werden. Wer körperliche und verhaltensbezogene Veränderungen frühzeitig erkennt und mögliche Ursachen gezielt angeht, kann das Wohlbefinden seines Pferdes nachhaltig verbessern.

Eine stabile Umgebung, eine bedarfsgerechte Fütterung und regelmässige tierärztliche Kontrollen bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Stressprävention. Ergänzungsfuttermittel können dabei eine sinnvolle Unterstützung darstellen, sollten jedoch immer Teil eines ganzheitlichen Managements sein.

Wir empfehlen diese Produkte: