Zeckenprävention bei Pferden – auch im Winter
Zecken können das ganze Jahr über aktiv sein und Krankheiten wie Lyme übertragen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme beschränkt sich das Risiko nicht auf Frühling und Sommer. Auch in den kälteren Monaten besteht eine relevante Infektionsgefahr. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Pferd effektiv kontrollieren, schützen und behandeln können – auch im Winter.
Für Pferdehalter, Tierärzte, Hufschmiede und Pferdepfleger ist ein ganzjähriges Zeckenmanagement heute ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Regelmässige Kontrolle, korrektes Entfernen von Zecken und ein gutes Verständnis der Erkrankung sind entscheidend, um Folgeschäden frühzeitig zu vermeiden.
Was ist Lyme bei Pferden?
Lyme, auch Borreliose genannt, ist eine ernsthafte bakterielle Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Neben Menschen können auch Pferde infiziert werden, häufig ohne sofort erkennbare Symptome. Die Erkrankung kann verschiedene Organsysteme betreffen und sich klinisch sehr unterschiedlich äussern.
Gerade beim Pferd stellt die Lyme-Borreliose eine diagnostische Herausforderung dar, da die Symptome oft unspezifisch oder schubweise auftreten. Prävention ist daher von zentraler Bedeutung, da Zeckenstiche im Offenstall, auf der Weide oder in waldnahen Gebieten kaum vollständig zu vermeiden sind. Ein konsequentes Präventionskonzept reduziert jedoch das Infektionsrisiko erheblich.
Kontrolle und Vorbeugung
Eine wirksame Zeckenprävention beruht auf mehreren sich ergänzenden Massnahmen. Weder natürliche noch chemische Produkte bieten allein einen vollständigen Schutz, weshalb die Kombination verschiedener Ansätze sinnvoll ist.
Zur Vorbeugung können unterschiedliche Mittel eingesetzt werden:
- Natürliche Produkte wie Teebaumöl, spezielle Shampoos oder pflanzenbasierte Sprays
- Herkömmliche Insektensprays, die gezielt gegen Zecken wirken
Unabhängig vom eingesetzten Produkt bleibt das frühzeitige Entfernen der Zecken die wichtigste Massnahme. Zecken sollten möglichst schnell mit einer speziellen Zeckenzange oder einer feinen Pinzette entfernt werden. Dabei ist darauf zu achten, die Zecke vollständig zu entfernen, ohne sie zu quetschen. Alkohol oder andere Substanzen sollten keinesfalls auf die Zecke aufgetragen werden, da dies das Risiko der Erregerübertragung erhöhen kann.
Eine tägliche Kontrolle des Pferdes ist unerlässlich, insbesondere in waldreichen Gebieten oder auf extensiv genutzten Weiden. Gerade kleine, noch nicht vollgesogene Zecken sind oft nur wenige Millimeter gross und leicht zu übersehen. Eine sorgfältige Inspektion von Fell und Haut ist daher fester Bestandteil einer effektiven Vorbeugung.
Ganzjährig aktiv
Zecken sind nicht saisonal im klassischen Sinne, sondern temperaturabhängig aktiv. Bereits geringe Temperaturschwankungen können ihr Verhalten beeinflussen.
Wichtige Punkte zur ganzjährigen Aktivität:
- Zecken werden ab Temperaturen von über 7 °C aktiv – auch im Winter
- Strenge, langanhaltende Frostperioden können ihre Aktivität einschränken
- Milde Winter erhöhen hingegen deutlich das Risiko von Zeckenbefall
Besonders relevant ist, dass Lyme auch in der kalten Jahreszeit übertragen werden kann. Ein Nachlassen der Vorsorge im Winter stellt daher ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Moderne Zeckenprävention sollte konsequent über das gesamte Jahr hinweg erfolgen.
Symptome und Tests
Die klinischen Anzeichen einer Borreliose beim Pferd sind vielfältig und oft unspezifisch. Eine genaue Beobachtung des Pferdes ist daher essenziell, insbesondere bei Leistungsabfall oder Verhaltensveränderungen ohne klare Ursache.
Zu den möglichen Symptomen gehören:
- Fieber
- Wechselnde Lahmheiten
- Geschwollene und steife Gelenke
- Muskelempfindlichkeit oder -schmerzen
- Gewichtsverlust
- Mattigkeit und reduzierte Leistungsbereitschaft
- Verhaltensänderungen
- Neurologische Auffälligkeiten
Da diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, ist die labordiagnostische Abklärung entscheidend. Pferde können relativ einfach mittels Blutuntersuchung auf Borreliose getestet werden. Eine frühzeitige Diagnostik erleichtert die therapeutische Entscheidung und verbessert die Prognose.
Hausmittel gegen Zecken
Ergänzend zu kommerziellen Produkten werden in der Praxis häufig natürliche Repellents eingesetzt. Diese ersetzen keine gründliche Kontrolle, können aber helfen, die Attraktivität des Pferdes für Zecken zu reduzieren.
Ein gängiges Hausmittel kann wie folgt hergestellt werden. Mischen Sie in einer Sprühflasche:
- 1 Liter lauwarmes Wasser
- 10 Tropfen Teebaumöl
- 10 Tropfen Eukalyptusöl
- 10 Tropfen Lavendelöl
- 5 Tropfen Zitronengrasöl
Der Spray wird bevorzugt an besonders gefährdeten Stellen angewendet, wie an den Beinen, in den Leisten, Achseln und am Hals. Vor der regelmässigen Anwendung sollte die Verträglichkeit überprüft werden, da empfindliche Pferde auf ätherische Öle reagieren können. Richtig eingesetzt, kann dieses Hausmittel Teil einer ganzheitlichen Zeckenprävention sein.
Fazit
Zeckenprävention bei Pferden ist eine ganzjährige Aufgabe. Durch ihre temperaturabhängige Aktivität stellen Zecken auch im Winter ein relevantes Gesundheitsrisiko dar. Eine Kombination aus täglicher Kontrolle, sachgemässem Entfernen der Zecken, gezieltem Einsatz von Repellents und Aufmerksamkeit für mögliche Symptome ist unerlässlich. Für Fachleute im Pferdebereich ist eine konsequente Präventionsstrategie ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Gesunderhaltung der Pferde.


